Thomas Scheytt

Ragtime · Blues · Boogie Woogie

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  • Netzer & Scheytt: Bestes Mittel gegen Novemberblues

    Heidenheimer Zeitung vom 07.11.2006

    Netzer & Scheytt im Kloster Herbrechtingen

     

    Dass einen im November der Blues überkommt, das ist ja nichts Unge- wöhnliches. Wenn der Blues aber so daher kommt wie am Freitag Abend im Kloster Herbrechtingen, dann hat das allerdings mit depressiver Stimmung rein gar nichts zu tun: Mit Oldtime Blues and Boogie heizte das Duo Netzer und Scheytt im ausverkauften Parlatorium so kräftig ein, dass jede aufkeimende Herbstdepression nicht die geringste Chance hatte.

     

    Zwei absolute Könner waren hier, das wusste man schon von ihrem Auftritt im Kloster im Januar 2001, am Werk: der Heilbronner Ignaz Netzer brillierte als Gitarrist, Sänger und Junge mit der Mundharmonika, Pianist Thomas Scheytt aus Freiburg am Keyboard war ebenso kongenialer Begleiter wie er als Solist mit seiner Virtuosität beeindruckte.

     

    Und zusammen sind sie unschlagbar, ganz gleich, ob nun Scheytts Piano, Netzers Gitarre oder dessen unglaublich rauchig-tiefe Bluesstimme im Vordergrund stand. So floss ein Stück in das andere, die Stimmung steigerte sich von einem Beitrag zum nächsten, bis denn auch die letzte Hand im Publikum aus der Klatsch- oder Schnippstellung nicht mehr herauskam.

     

    Die von Ironie geprägte Moderation von Ignaz Netzer ließ die Zuhörer dazu ganz Ohr sein. Ob Coverversionen, ob Eigenkompositionen - „wir wissen, in Herbrechtingen ist das Publikum tolerant" - Netzer und Scheytt wurden gefeiert und beklatscht und das Publikum wurde nicht müde, deftigen Blues, flotten Boogie-Woogie und schnoddrige Moderation zu inhalieren. Dabei lernte es auch, Blues aus Louisiana von demjenigen aus Mississipi zu unterscheiden, den Bluesmusiker Leroy Car in seinem traurigen Schicksal, Pech bei 28 Frauen gehabt zu haben, zu bedauern, und den schwäbischen Beitrag für die Geschichte des Blues kennen: die Mundharmonika nämlich, der Ignaz Netzer die erstaunlichsten Töne zu entlocken verstand.

     

    Instrumentalstücke wie Lieder brachten den Saal zum Brodeln, und die feinen kleinen Schmankerln, mit denen Ignaz Netzer den Musikgenuss der Höchstklasse würzte, schmolzen zu einer wunderbaren Melange, an der sich die Zuhörer gerne ergötzten und durchaus auch zum Mitwirken bereit waren. Wie nicht zuletzt der gute Schluss nach rund drei Stunden Blues vom Feinsten zeigte: Als Herbrechtingens Antwort auf die Fischer-Chöre stimmten die Zuhörer ins Glaubensbekenntnis von „Netzer und Scheytt" aus vollem Herzen ein: „The Blues is alright". Oh yeah, und „alright" wäre es auch, wenn „Netzer und Scheytt" mal wieder in der Gegend Station machten. Es muss ja nicht wieder fünf Jahre dauern. Und dann, bitte schön, muss auch die schwäbische Version von „Let the good times roll" nachgeliefert werden, wenn darauf schon mit der Titelübersetzung „Lass die Sau raus" der Mund wässrig gemacht wurde.

     

    Das Publikum, den Beweis hat es angetreten, ist zum Sau-Raus-Lassen durchaus bereit. Und wer Schwabenseelen kennt, der weiß: Das heißt schon was.


    Marita Kasischke

 
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