Thomas Scheytt

Ragtime · Blues · Boogie Woogie

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  • Thomas Scheytt: Das Publikum schwindelig spielen

    Badische Zeitung vom 30.12.2006

     

    Thomas Scheytt und Hary de Ville im Goldenen Löwen in Schopfheim

     

    Da sind die Weihnachtsstrapazen gerade verklungen, da wartet der Goldene Löwen in Schopfheim mit einer nachträglichen Bescherung auf. Und mit was für einer! Zwei Musiker der Spitzenklasse schenken ihrer treuen Fangemeinde drei Stunden exquisiten Blues und Boogie. Und das wirklich Tolle daran ist, sie schenken sich auch ein wenig selbst dabei, vor allem Thomas Scheytt, das Tastenwunder aus Freiburg. Noch eine Zugabe und noch eine, der als bester Boogie-Pianist Deutschlands gehandelte Thomas Scheytt ist nicht aufzuhalten. Und das bei einem solchen Tempo!

     

    Dies ist eine Musikberichterstattung, die vom Gefühl des Musikers für seine Musik berichten will, von seiner Gabe Stil und Wesen des Boogie und des Blues auf seinem Instrument in Vollendung heraus zu kitzeln. Sportlich ginge es aber auch. Wer so unermüdlich aufs Tempo drückt wie Thomas Scheytt, der braucht eine gute Kondition! Wer so über die Tasten rasen kann, wer ein solches Timing für diese temporeiche Musik besitzt, hat neben seinem Gefühl für Musik, auch eine enormes Körpergefühl. Aber darum geht es ja hier nicht. Sondern, mit welcher Raffinesse Thomas Scheytt, sein Publikum schwindelig spielt, es in einen Rausch versetzt, zum Tanzen bringt, selbst hier im Goldenen Löwen, wo Platz Mangelware ist, stets und heute besonders, wenn der "schwärzeste Boogie-Pianist weißer Hautfarbe" , wie es irgendwo geschrieben steht, in die Tasten greift.

     

    Da vereinbaren zwei Musiker einen gemeinsamen Aufführungstermin, schicken sich dann gegenseitig ihre Alben zu und schon kommt ein Konzert zustande! Einfach sei es, meint Hary de Ville, wenn jeder sein Stück spielt und der andere dann ehrfurchtsvoll begleitet. Dann sind die Claims abgesteckt.

    Nach der Trunkenheit des Scheytt´ schen Pianospiels sind die Bluesstücke von Hary de Ville Erholung, Ruhephase, ja, man kann sogar so weit gehen, von Phasen des In-Sich-Gehen-Dürfens zu schreiben, weil Hary, quasi Hausherr im Goldenen Löwen, dem Weltschmerz, der Ambivalenz, dem Blues halt, den richtigen Rahmen gibt. Er will dies alles aushalten, bis zu allen Tiefen des Blues vordringen, macht mit seiner Musik so etwas wie eine Bestandsaufnahme. Wechselt die Gitarren, greift zur Bluesharp, was doch so viel Schwärzer klingt als einfach Mundharmonika, lässt dem Blues seine ganze Bandbreite. Und jetzt ist Thomas Scheytt der kongeniale Begleiter. Der sich zurücknehmen kann ohne seine Klasse zu verleugnen. Der selbst dann, wenn er sein Tempo verlangsamt, eine Ahnung aufkommen zu lassen, zu welchen Geschwindigkeiten er fähig ist.

     

    Schwierig sei es, meint Hary de Ville, wenn beide dieselben Stücke interpretieren. Aber auch diese Hürde überspringen die beiden Musiker mit Bravour, vergessen, die ihnen innewohnende Version und hören ganz auf den anderen. Wenn Scheytt wieder die intensiven Gitarrenphasen ablöst, dann ist der Blues nicht nur die Inventur einer trüben Seelenlage, Scheytt setzt ihn in Bewegung und gibt ihm Vorwärtsdrang. Welch ein Musikerlebnis!

     

    Martina David-Wenk

 
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